Gut leben in Deutschland: 10 Jahre Integrationskurse bei VHS Leer

Kürzlich fand bei der Volkshochschule Leer eine Feier zum zehnjährigen Bestehen der Integrationskurse statt. Als Einstimmung verwandelte die Theatergruppe „Coming from the Shadows“ unter der Leitung von Dr. Norbert Knitsch ein negatives schauspielerisches Standbild mit drei kleinen Änderungen in ein positives Bild. „Das Regierungsmotto ‚Gut leben in Deutschland‘ könnte das Motto der Volkshochschule zum Thema Migration sein“, erklärte die VHS-Leiterin Heike-Maria Pilk bei der Begrüßung. Schließlich legten die zahlreichen Angebote der VHS für Migranten den Grundstein zur Integration vor Ort. Seit März 2005 hätten rund 1.400 Personen an Integrationskursen der VHS Leer teilgenommen. Aktuell laufe der 74. dieser Kurse. Das Programm der Feierstunde hatten Teilnehmende aus den aktuellen Integrationskursen selbst gestaltet.

Joana und Petru Grigorias aus Rumänien sangen die Europahymne auf Rumänisch im Kanon. „Integrationskurse sind eine der wichtigsten Fördermaßnahmen“, betonte Bürgermeisterin Beatrix Kuhl danach. Sie empfinde es als Bereicherung, viele Menschen und Kulturen kennenzulernen. Außerdem dankte sie dem Landkreis für die finanzielle Unterstützung der momentan bei der VHS laufenden Deutschkurse für Flüchtlinge. Dann sang Darav Mohamed ein emotionales Lied für seinen Vater, der ein bekannter Sänger in Syrien ist. Im Anschluss daran erklärte die VHS-Fachbereichsleiterin Hrund Eysteinsdóttir in ihrem kurzen Rückblick auf zehn Jahre Integrationskurse, dass die aktuell laufenden Kurse sehr gemischt seien. Dabei gehe es immer auch um Verständnis gegenüber anderen Kulturen und Religionen. Danach führte Sandra Joana Malagon Herrera einen spanischen Tanz auf.

„Martha Elena Efkes kam aus Kolumbien, besuchte unseren Integrationskurs und ihr war immer kalt“, kündigte Eysteinsdóttir den nächsten Redebeitrag an. Efkes arbeitet inzwischen beim DRK als Flüchtlingssozialberaterin und hielt eine humorvolle Rede über ihre Probleme hier. Oft wollte sie aufgeben und zurück nach Kolumbien gehen. Allerdings habe sie Motivation in ihrem Drang, Neues zu lernen gefunden. „Wie spannend ich das fand, Freunde aus Ländern zu haben, die ich nicht mal kannte“, sagte sie im Rückblick auf die Kurse bei der VHS.

Schließlich erinnerte Asad Alan Brimo auf Arabisch und Englisch an Krieg und Zerstörung in seinem Heimatland Syrien und sang ein bewegendes Lied. Danach kam Sibylle Minnert hinzu und erläuterte, wie einfach Integration sein könne. Sie wollte in eine kleinere Wohnung ziehen und erfuhr zufällig von Brimo, der lediglich mit einer Matratze in eine Wohnung ziehen sollte. Kurzentschlossen habe sie ihm ihre überflüssigen Möbel geschenkt und er hat ihr im Gegenzug bei ihrem Umzug geholfen. Inzwischen habe sich bei ihnen ein Verhältnis wie zwischen Mutter und Sohn entwickelt. Minnert betonte, fehlende Sprachkenntnisse würden Menschen schon bei vermeintlich einfachen Dingen vor riesige Probleme stellen. Als Beispiele nannte sie das Rufen eines Notarztes oder das Beantragen eines Telefonanschlusses. „Alle können helfen“, appellierte sie. Die Feier klang mit einem internationalen Buffet aus.